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12.06.2017

Respekt und Ruhe bewahren


DemenzNetz und Gewerbeverein informierten zu „Menschen mit Demenz als Kunden“

Foto Veranstaltung des Gewerbevereins und des DemenzNetzes

Der Umgang mit Menschen mit Demenz erfordert Fingerspitzengefühl – vor allem im öffentlichen Leben, in Dienstleistung und Handel. Deshalb hatten das DemenzNetz Sendenhorst – Albersloh und der Gewerbeverein gemeinsam zu einer Veranstaltung am 12. Juni 2017 eingeladen, bei der die Demenz-Expertin Sabine Mierelmeier Gewerbetreibende und Mitarbeiter der Einzelhändler und Dienstleister zum Thema „Menschen mit Demenz als Kunden“ informierte.

Was ist Demenz? Die wichtige Grundsatzfrage wurde zu Beginn geklärt. Eiweißbausteine im Gehirn würden verklumpen und Nervenzellen absterben, die in diesem Maß nicht nachwachsen könnten, beschrieb Mierelmeier die Krankheit. Das geschehe in den unterschiedlichen Zentren des Gehirns, so dass einfache Denkprozesse plötzlich „aus dem Ruder“ liefen. Die Informationen könnten nicht mehr weitergetragen werden. So würden selbst Antworten auf simple Fragen wie „Wie geht es dir?“ nicht mehr gelingen.

Anschaulich, bildreich und mit vielen Beispielen erklärte die Referentin die Zusammenhänge. „Alles, was wir machen, was wir sind, ist im Grunde nichts anderes als Gedächtnis. Unser Leben besteht aus Erinnerungen.“ Die Demenz greife nun auf die Regalwand mit den Büchern des Lebens, den Erinnerungen, zu und werfe sie nach und nach herunter, so Mierelmeier.

Gerade eine beginnende Demenz mache den Betroffenen Angst: „Angst, nicht zu wissen, ob ich da ankomme, wo ich hin will. Die Unsicherheit ist schwer zu ertragen, wenn man weiß, dass man Dinge vergisst. Das ist so, als wenn jemand einem den Teppich unter den Füßen wegzieht.“ Dann könne man demselben Kunden natürlich an vier Tagen vier weiße Hosen verkaufen, oder man könne ihn darauf aufmerksam machen, dass er gestern schon da war. Doch dann könne es sein, dass der Kunde ganz anders als erwartet reagiert. „Denn in seiner Realität hat er alles richtig gemacht“, erklärte die Referentin.

Die Kunst bestehe darin, solche Situationen zu deeskalieren. „Oft kennt man sich ja schon lange“, sagte sie. Wichtig sei es, auf den Kunden einzugehen, auch mal ruhig nachzufragen, und so die Situation zu entspannen. „Selbst ruhig bleiben und dem Gegenüber keine Böswilligkeit unterstellen.“ Wenn man auf die Gefühlslage des Kunden eingehe, sei meist ein ruhiges Gespräch möglich. Sensibel, mit Respekt und Distanz reagieren, das riet die Expertin. „Der Kunde möchte ja sein Gesicht wahren und nicht bloßgestellt werden.“

Die Anwesenden konnten im Anschluss Fragen stellen und nahmen eine Broschüre mit Empfehlungen für die Praxis in Dienstleistungsgewerbe und Einzelhandel mit nach Hause.

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