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18.06.2016

In einer Nussschale auf dem Meer der Verwirrtheit unterwegs


DemenzNetz schulte Ehrenamtliche zum Umgang mit demenziell erkrankten Menschen

Foto Schulung der Ehrenamtlichen
Damit Menschen mit Demenz möglichst viel Teilhabe im sozialen und gesellschaftlichen Leben erfahren, haben Vereine, Verbände und Organisationen das DemenzNetz Sendenhorst Albersloh gegründet. Zu einer ersten Schulungsveranstaltung waren an zwei Nachmittagen Ehrenamtliche eingeladen, die in der Seniorenarbeit bei Café-, Besuchs- und Begleitdiensten Umgang mit demenziell veränderten Menschen haben. Ziel war es, über das Krankheitsbild zu informieren und den Ehrenamtlichen Werkzeuge an die Hand zu geben, wie sie den Umgang mit demenzkranken Menschen positiv gestalten können.

Dazu hatte die Seniorenberatung der „Heinrich und Rita Laumann-Stiftung“ als zentrale Koordinationsstelle des DemenzNetzes die Dozentin Sabine Mierelmeier eingeladen. „Ein demenzerkrankter Mensch ist in einer Nussschale auf einem großen Meer der Verwirrtheit unterwegs. Ich kann für ihn ein Rettungsanker sein und ihm für einen Moment Ruhe geben.“ Mit diesem Bild erklärte sie, dass demenziell Betroffene in einer anderen Welt leben, zu der es keinen Zugang auf der Sachebene gibt.

„Es ist das Wesen der Demenz, dass Betroffene den Kontakt zu sich selbst verlieren und ein Gegenüber brauchen, das sie erdet“, so Mierelmeier. Wenn ein demenziell erkrankter Mensch für Außenstehende eine verworrene Geschichte erzählt, kann es möglich sein, dass sich die Ereignisse auf frühere Lebensphasen beziehen. Weil das logische Denken verloren gehe, sei ein Zugang auf argumentativer Ebene nicht mehr möglich, sondern nur noch auf der Ebene der Gefühle.

Wichtiger sei es, die Körpersignale des anderen wahrzunehmen, seine Unruhe oder Verwirrtheit zu erkennen und ihm durch Blickkontakt und eine langsame und geduldige Annäherung Sicherheit und Vertrauen zu geben. Die dafür nötige Entschleunigung beschrieb Mierelmeier so: „Auf der dreispurigen Autobahn des Lebens sind Sie auf der linken Fahrspur mit 240 Sachen unterwegs, während der demenziell Erkrankte mit Tempo 30 fährt.“ Der Theorie folgte im zweiten Modul ein praktischer Teil, in dem konkrete Gesprächs- und Handlungssituationen geübt wurden.

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