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18.06.2016

Herausforderung Demenz: Netzwerk gründen, Angebote bündeln


Laumann-Stiftung initiiert Gründung einer „Lokalen Allianz“ für Sendenhorst und Albersloh

Foto Gründung Demenznetzwerk
Der erste Schritt ist getan: Bei einem ersten Sondierungsgespräch haben Vertreter verschiedener Institutionen, Vereine und Verbände die Gründung einer „Lokalen Allianz für Menschen mit Demenz“ erörtert und sich für ein gemeinsames Vorgehen ausgesprochen. In Anbetracht der hohen Zahl demenziell erkrankter Menschen - Tendenz steigend - stellt diese Krankheit bereits heute eine enorme Herausforderung für das Gesundheits- und Sozialwesen dar.

Auf Initiative der „Heinrich und Rita Laumann-Stiftung“ kam im April 2015 das erste Treffen lokaler Akteure im St. Josef-Stift zustande. Sie wollen gemeinsam Ziele und Strategien entwickeln, um Angebote für demenziell Erkrankte und ihre Angehörigen wirkungsvoll zu koordinieren, zu bündeln und bedarfsgerecht zu entwickeln. Die offizielle Gründung der lokalen Allianz erfolgte am 18. Juni.

Das Projekt startet im Rahmen eines Modellprogramms des Bundesfamilienministeriums, für das sich die Laumann-Stiftung beworben und den Zuschlag erhalten hat. Als Trägerin des Seniorenbüros verfügt die Stiftung als neutrale und vernetzende Institution bereits über viel Erfahrung bei der Beratung über Angebote für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen. Dieser Erfahrungsschatz soll als Grundlage dienen, um die Koordination des lokalen Demenznetzwerks an das Seniorenbüro mit Angelika Reimers als zentraler Ansprechpartnerin anzubinden.

Den Handlungsbedarf betonten alle Teilnehmer des Auftakttreffens. „Es geht darum, dass Bewusstsein für das Thema Demenz in der Öffentlichkeit zu schärfen, Transparenz für die bestehenden Angebote zu schaffen und die Aktivitäten der Akteure zu koordinieren und aufeinander abzustimmen“, fasste Rita Tönjann vom Vorstand der Laumann-Stiftung am Ende des Auftakttreffens zusammen.

Gemeinsam analysierten die Teilnehmer die Ist-Situation. Demenz sei immer noch ein Tabuthema meinte Hendrik Freiherr von Wrede vom Malteser Hilfsdienst. Entlastungsangebote würden von Angehörigen nur sehr zögerlich angenommen. Nahezu alle Akteure machten die Erfahrung, dass es sehr schwer sei, Informationen zum Thema Demenz an den Mann und die Frau zu bringen. Woran liegt's? Annette Wernke vom Demenz-Service-Zentrum versuchte eine Erklärung: „Die Betreuung Demenzkranker ist Vertrauenssache und geschieht meist über Empfehlung, nicht über Flyer.“ Doris Nocon vom Seniorenbeirat vermutete, dass manchen die Kosten abschreckten. An dieser Stelle machte Elisabeth Uhländer-Masiak, Hausleitung vom St. Elisabeth-Stift, ein Informationsdefizit aus, denn die Gesetzgebung habe die Leistungen und die Finanzierung erheblich verbessert - nur sei das offenbar zu wenig bekannt.

Viele Handlungsfelder wurden sichtbar, darunter Beratung, die Vernetzung und das gegenseitige Kennenlernen, Bündelung von Angeboten und Akteuren, Abstimmung von Terminen und Aktionen sowie die Begleitung durch eine Informationsoffensive. Deutlich unterstrichen wurde von den Teilnehmern, gemeinsam an einem Strang zu ziehen - und zwar in die gleiche Richtung. Kooperation statt Konkurrenz. „Wichtig ist es, sich untereinander abzustimmen und sich nicht gegenseitig die Butter vom Brot zu nehmen“, so Pflegedirektor Detlef Roggenkemper, St. Josef-Stift. Gemeinsam ließe sich auch mal eine große, öffentlichkeitswirksame Aktion auf die Beine stellen statt vieler ganz kleiner Aktionen.

Zum Thema:
In Deutschland leben 1,4 Millionen demenziell erkrankte Menschen. Jährlich erkranken etwa 300.000 Menschen neu. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels stellt die Unterstützung der an Demenz erkrankten Menschen und ihrer Angehörigen eine der vordringlichen Herausforderungen für die Gesellschaft dar. Auf lokaler Ebene hat die Heinrich und Rita Laumann-Stiftung die Initiative für den Aufbau eines Demenznetzwerks ergriffen. Ihre Bereitschaft zur Mitwirkung erklärten unter anderem die Caritas, der Malteser-Hilfsdienst, der Seniorenbeirat, das Demenzservicezentrum, Beweggründe e.V., die Einrichtungen des Pflege- und Betreuungsnetzwerks der St. Elisabeth-Stift gGmbH sowie die Kommune und die Kirchengemeinden. Nähere Informationen: Seniorenbüro, Angelika Reimers, Telefon 02526 300-3131 oder info@seniorenberatung-sendenhorst.de

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